Paraty - Kolonialstadt aus dem 17. Jh. - Rio de Janeiro 

Paraty liegt am äussersten süd-westlichen Ende des Bundesstaates Rio de Janeiro und ist ein beliebter
Zwischenstopp auf der Reise von Rio de Janeiro nach SĂŁo Paulo. Es liegt etwa 2km abseits der
Hauptstrasse von Rio nach Santos, die zum grössten Teil als
wunderschön angelegte Küstenstrasse mit herrlichen Aussichten auf Meeresbuchten,
Inseln und Stränden eine grosse Attraktion darstellt.

            
         

. Bis 1954 konnte Paraty nur auf dem Seewege erreicht werden, war allerdings im 17. bis hinein in das 19.JH einer
der wichtigsten Häfen Brasiliens. Erst als man soweit war ein inländisches Strassennetz zu entwickeln,
verlor Paraty seine enorme frĂĽhere Bedeutung fĂĽr den
In- und Export, bis diese mit Abschaffung des Sklaventums 1886 völlig verschwand.

Paraty wurde bereits vor 60 Jahren unter Denkmalschutz gestellt; kein Auto darf in die Innenstadt und ist neben
Tiradentes und Ouro Preto in Minas Gerais, - Lençôes-Chapada Diamantina in Bahia und Olinda in Pernambuco
- einer der wenigen gut erhaltenen Schauplätze historischer Architektur.

Dass dieser Flecken Erde im Zusammenhang mit der Gold- und Kaffee-Ära einmal eine bedeutende Rolle
in der Geschichte einnehmen sollte, fand zumindest in seiner Namenslegende keinen Niederschlag.

So heisst es scherzhaft, dass bei der Aufteilung der Erde zwischen Gott und dem Teufel ersterer seinem Widersacher
schliesslich ein kleines, verloren am Rande einer grossen Bucht gelegenes Plätzchen zuwies,
mit dem einsilbigen Kommentar:
"É lá. Aquilo é para ti - Das da ist für dich!"

Zunächst lebten hier bescheiden vom Fischfang die Guaianá-Indios - Paraty war in ihrer Sprache der Name
eines Fisches,
der hier in der Bucht der Ilha Grande, von der wiederum die von Paraty einen Teil darstellt,
gefangen wird! Aber auf einem Wanderweg, weit aus dem Landesinneren kamen auch andere
Indianerstämme hier her, zu dieser Meeres- Küste, denn die vielen vorgelagerten, die Meeresbrandung
verhindernden Inseln ermöglichten mit Einbäumen im Meereswasser zu fischen.
Die gefangenen Fische wurden zu proteinreichem Fischmehl
verarbeitet und so wieder ins Landesinnere transportiert!

Bald verbreitete sich die Nachricht vom gesunden Heilklima der Region, ein kranker Indio brauchte
sich nur dorthin zu begeben, um schnell zu genesen.
Bereits vor 1600 kamen wohl auch deswegen
einige Paulistas (so nennen sich die Bewohner von SĂŁo PĂŁolo) auf der Suche
nach einem geeigneten KĂĽstenort hier an und bauten ihre Behausungen
in friedlicher Nachbarschaft mit den Guaianás.

Nachdem im 17. Jahrhundert in Minas Gerais Gold entdeckt worden war, entwickelte sich Paraty
zu einem obligatorischen ZwischenstoppfĂĽr Abenteurer aus Rio de Janeiro, da an dieser Stelle
die einzige Möglichkeit bestand, die steilen Hänge der Serra do Mar zu überqueren.
Die gefährliche Strasse war der vorher schon erwähnte alte Pfad der Guaianás, der quer durch
die Serra do FacĂŁo (heute Cunha) zumTal des ParaĂ­ba und von dort nach Pindamonhangaba,
Guaratinguetá und schliesslich zu den Minen führte.

1844 wurde Paraty zur Stadt erklärt, die Zahl der Häuser und Kirchen nahm weiter zu,
bis um die Jahrhundertwende eine neuerliche Phase der Dekadenz einsetzte, wieder bedingt
durch den Verlust der strategischen Bedeutung des Hafens. Bis auf gerade 600 Seelen,
meist ältere Leute, verliessen die Menschen den ehemals so prosperierenden Ort.

Paraty drohte eine versunkene Stadt zu werden,
bis man in den 50er Jahren endlich ihren historischen und touristischen Wert entdeckte,
als von Angra dos Reis hierher eine asphaltierte Stasse gebaut wurde..

        

Die Lage des Städtchens mit seinen inzwischen wieder 30.000 Einwohnern ist traumhaft schön:
Fjordartige Buchten mit weissen Stränden
und eine Handvoll, der KĂĽste unmittelbar vorgelagerte Urwaldinselchen, bilden das Panorama.

Dahinter erhebt sich die Bergkette der
Serra da Bocaina, mit zahlreichen, immer wieder anders gestalteten Wasserfällen und
natĂĽrlichen Wasserbassins.
Sie gehört zumÖkosystem der Mata Atlântica und ist sehr artenreich.
Unzählige Orchideen-, Bromelien-, Heliconien- und vor allem Baumarten finden sich hier.
Von seiner Tierwelt kann man besonders die Vielfalt der Vögel bewundern; Tapire und sogar
Raubkatzen kommen noch natĂĽrlich vor.

Das gesamte Territorium der Gemeinde Paraty ist Naturschutzgebiet, zwei Drittel davon
gehören zum Nationalpark Serra da Bocaina.

Die weissgekalkten Häuser mit ihren buntbemalten Fenstern und Türen verleihen dem Ort eine fröhliche Atmosphäre.
Hier gibt es stimmungsvolle Cafes, kleine Geschäfte und Kunstgalerien, in den alten mit den ursprünglichen
Pflasterquadern  belegten Gassen laden zum Schlendern, “shoppen” und “stöbern” ein.
Der ebenfalls aus gewaltigen Quadern gepflasterte "Caminho do Ouro”, die alte 1400 km ins Landesinnere,
zu den Goldfundstäten in Minas Gerais, führende “Goldroute" wurde in den Bergen auf einer langen Strecke
wieder begehbar gemacht und avancierte somit zum beliebten Ausflugsziel, ebenso wie die
alten Zuckerrohr-Destillerien und die restaurierten Kaffeefazendas.
Dementsprechend gibt es von
Paraty aus diverse AusflĂĽge,- mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen!
- um den Besuchern diese historischen Stätten näher zu bringen.

 

Eines dieser Landhäuser, bekannt für seinen mit Mandarinen-Blättern destillierten Schnaps,
ist das Geburtshaus der Mutter vonThomas und Heinrich Mann - seit 1997 Kulturzentrum.
Bei einem Gang durch das Zentrum wird man immer wieder einzelne Häuser sehen,
die durch ihre besonders stilvollen Fassaden herausragen. Das älteste noch erhaltene
Haus des Ortes befindet sich nahe bei der Igreja de Santa Rita am Anfang der
Rua Marechal Santos Dias, wo eine Inschrift auf dem Original-Holzbalken auf die Entstehung
im "goldenen" Jahr 1699 verweist.

 Heute wetteifern die Bewohner darin, die historische Bausubstanz zu pflegen oder zu renovieren
- wie z.B. die reichen Ornamente an den Gassenecken;
ein Erbe der Freimaurer,
die im 18. Jahrhundert vor der Inquisition aus Spanien geflĂĽchtet waren und sich
im fernen Brasilien niedergelassen hatten, wo sie grossen Einfluss auch auf Stadtplanungen nehmen konnten.

 

Dom Pedro II trat auch der Freimaurerloge bei, was ihm von der katholischen Staatskirche nicht
verziehen wurde. Noch heute besitzendie “Bragança-Bourbon” besonders auch  in der Umgebung von
Paraty grosse Ländereien, und an der Seeseite der Stadt ein kleines,
inzwischen zu einer Pousada umfunktioniertes, Palais.

Stil- und Geschmackvolle Hotels, Pousadas, Antiquitätenläden und zahlreiche Gasthöfe haben sich in
den letzten Jahrzehnten in den altenPatrizierhäusern niedergelassen.

Abends bietet Paraty mit seinen unzähligen Restaurants, die zum Teil auch Tische auf die
“autofreien” Strassen stellen, eine gute Küche in gepflegtem Ambiente, moderne,
stilvolle Bars mit Live-Musik und allgemein ein animiertes Strassenleben.
Eigentlich beginnt in der Stadt das Leben erst nach 22:00 Uhr !

 

Paraty ist für seine farbenprächtige und besonderen Feste und vielfältigen Veranstaltungen bekannt.
Die beiden wichtigsten sind die"Festa do Divinho EspĂ­rito Santo", die neun Tage vor Pfingstsonntag beginnt,
und das Fest der "NS dos Remédios" am 8.September.
Die Vorbereitungen fĂĽr das erste der genannten Feste laufen das ganze Jahr hindurch.
Musikgruppen "FĂłlios" gehen dann singend und scherzend von TĂĽr zu TĂĽr.

Auch zu den "Festas Juninas" im Juni gehören Tänze wie der "Xiba", ein Reigentanz,
der mit Holzschuhen getanzt wird, und die "Ciranda",
ein Xiba mit Gitarrenbegleitung. Diese Festreihe hat ihren Höhepunkt am 29.Juni mit einer
Prozession ĂĽber das Meer zur Ilha do Araujo.
Die Gegend von Paraty ist bekannt für den guten Cachaça.
Im Jahre 1984 haben die Stadtväter das alljährlich stattfindenden "Festival da Pinga"
(Pinga = Tröpfchen) ins Leben gerufen. Diese Pinga-Party findet an einem Wochenende im August statt,
wo dann schon allein die recht kühlen “Wintertemperaturen” für gute Umsätze der hochprozentigen Produkte sorgen.
In der glanzvollen Vergangenheit gab es in und um Paraty
herum ĂĽber 30 Zuckerrohrschnaps-Destillen, von denen heute noch einige existieren,..
und weitere dabei sind, wieder den Betrieb aufzunehmen !